Annalena Baerbock: Jede blamiert sich, so gut sie kann
Annalena Baerbock, die Grüne, hat sich in ihrer politischen Karriere immer wieder blamiert. Doch was sagt das über uns aus, wenn wir darüber lachen?
Es ist schon faszinierend, wie Annalena Baerbock, als Außenministerin, sich nicht nur um die Belange der Außenpolitik kümmert, sondern auch um die Kunst der politischen Blamage. Jedes Mal, wenn sie die Bühne betritt, habe ich das Gefühl, dass ich in eine Komödie geraten bin, in der sie die Hauptrolle spielt. Man fragt sich, ob das Teil eines langfristigen Plans ist, als erste Außenministerin zu fungieren, die nicht nur missratene Reden hält, sondern auch ständig unfreiwillig unterhält.
Man könnte argumentieren, dass in der Politik niemand unfehlbar ist. Selbst die besten Redner treten gelegentlich ins Fettnäpfchen. Aber Baerbocks Auftritte sind etwas anderes. Es ist nicht bloß das Versagen der Rhetorik oder ein unglückliches Wort, das sie wählt. Es ist diese bemerkenswerte Fähigkeit, sich mit einer solchen Konsequenz in die eigene Argumentation zu verstricken, dass man fast Mitleid empfinden möchte. Aber vielmehr als Mitleid empfinde ich Belustigung. Wer braucht schon den nächsten Netflix-Hit, wenn man sich das Spektakel der deutschen Außenpolitik ansehen kann?
Zudem ist ihr Umgang mit Kritik bemerkenswert. Anstatt sich zu rechtfertigen oder gar zu verbessern, wird die Scharte rasch mit einer neuen Aussage oder einem weiteren Auftritt ausgebügelt. Es ist fast bewundernswert, wie sie es schafft, die Aufmerksamkeit von ihren Verfehlungen abzulenken. Einmal warf sie den Begriff "Doppelstrategie" ins Spiel, als sie über den Umgang mit Russland sprach. Ein Begriff, der zweifellos in die Geschichtsbücher eingehen könnte – allerdings eher als Beispiel für politische Unbeholfenheit als für diplomatisches Geschick.
Man könnte auch die Meinung vertreten, dass solche Fauxpas in der Politik nicht weiter schlimm sind. Schließlich waren die großen Staatsmänner der Geschichte nicht frei von Peinlichkeiten. Doch während der eine oder andere Auftritt von Merkel oder Steinmeier sicherlich in die Annalen der Amtsgeschichten eingehen wird, bleibt Baerbocks Vermächtnis in der Erinnerung der Wähler bestehen – und das ist nicht gerade schmeichelhaft. Es erinnert mich an den guten alten Monty Python Sketch: „Was ist das Schlimmste, was passieren kann?“ – die Antwort könnte sein: „Ein Auftritt von Baerbock auf einer internationalen Bühne.“
Es gibt aber auch Stimmen, die sagen, dass genau diese Unsicherheiten in Baerbocks politischer Persona eine gewisse Aufrichtigkeit widerspiegeln. Sie ist nicht der felsenfeste Politiker, der mit seinen perfekten, geschliffenen Reden glänzt. Vielmehr ist sie eine, die sich in der rauen See der politischen Belange vielleicht sogar wohler fühlt. Total ehrlich und ungeschliffen. Eine Art Robin Hood der Außenpolitik, die statt Reichtum nur Peinlichkeiten verteilt. Müssen wir uns also Sorgen machen? Vielleicht.
Die Frage ist, was wir als Gesellschaft aus diesen Momenten lernen können. Wenn wir anfangen, über die Blamagen der Politiker zu lachen, laufen wir Gefahr, die Ernsthaftigkeit der politischen Debatten zu untergraben. Ein bisschen Selbstironie ist gut, aber wenn das Lachen auf Kosten des Vertrauens in politische Institutionen geht, dann sollte ein kritischer Blick auf Baerbocks Auftritte angebracht sein. In einer Zeit, in der politische Stabilität an der Tagesordnung sein sollte, sind solche Extravaganzen kaum förderlich.
Es ist, als ob wir einem Jongleur zuschauen, der mit einem Ball jongliert – und dann mit einem weiteren beginnt. Während wir uns über seine Kunstfertigkeit amüsieren, vergessen wir, dass er auch noch einen dritten Ball in der Luft halten sollte: die Glaubwürdigkeit seiner Partei. Wenn dieser Ball zu Boden fällt, wird das nicht nur für ihn unangenehm, sondern für uns alle.
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